Militärbeobachter

 

Eine überblickbare Anzahl von interessierten Mitgliedern liess es sich nicht nehmen, sich wieder einmal direkt über die Aktivitäten der Schweizer Armee im Ausland zu informieren.


Maj Christoph Wyss besuchte uns im Hotel Berchtold und begann seinen Vortrag über seine Tätigkeiten bei der EUFOR in Bosnien Herzegowina mit der Vorstellung seiner selbst. In der Gegend aufgewachsen und zur Schule gegangen, schlug er eine Ausbildung in der Landwirtschaft ein.


Wie die meisten AdA an internationalen Einsätzen verfügt Maj Wyss also über einen zivilen Beruf, ist Milizoffizier. Kaum einer sei nämlich Berufssoldat – jedenfalls was die Schweizer Kontingente betrifft. Bei den anderen Kontingenten aus aller Welt ist das natürlich ganz anders, die Österreicher noch ausgenommen.


Später im Vortrag kommt Maj Wyss jedenfalls noch darauf zu sprechen: Wie bereits seit längerem bekannt, ist das Schweizer Milizsystem ein Vorteil. Der „Bürgersoldat“ mit zivilberuflichem Hintergrund ist halt nicht nur gehorsamer Befehlsempfänger, sondern auch Mitdenker mit vielfältigeren Sichtweisen. Allerdings räumt der Referent auch ein, dass gerade dies auch ein Nachteil sein kann. Je nach Auftrag und Dringlichkeit kann der Schweizer Soldat dann gegenüber Angehörigen anderer Nationen auch mal etwas zu eigenständig mitdenken.


Nebst den 20 Schweizern dienen etliche andere europäische Kontingente in der EUFOR. Aber auch Chile als regelrechter Exot stellt 15 Soldaten. Die grössten teilnehmenden Staaten sind Österreich (190) und die Türkei (237), wobei sich hier offensichtlich auch historisch verpflichtende Beziehungen erkennen lassen (k.u.k. Monarchie, Osmanisches Reich).


Die EUFOR überwacht immer noch die Einhaltung des Friedensankommens aus den 1990er Jahren. Die Schweiz betätigt sich im nachrichtendienstlichen und Ausbildungsbereich. In zwei Gebäuden in Mostar und Trebinje arbeiten zwei Schweizer Liaison an Observation Teams (LOT) eng mit der örtlichen Bevölkerung zusammen und fühlen den entsprechenden Puls der verschiedenen Ethnien.
In einem Mobile Training Team (MTT) bilden Schweizer Spezialisten zudem die Streitkräfte von Bosnien-Herzegowina in der Bewirtschaftung von Munitions- und Waffenlagern aus.


Maj Wyss kommt auf die Probleme des Landes zu sprechen, welches aus drei Volksgruppen besteht: Bosniaken, Kroaten und Serben. Im Publikum macht sich aufgrund der Schilderungen der Eindruck bemerkbar, dass Spannungen zwischen diesen Gruppen trotz staatlich-organisatorischer Anstrengungen und festgeschriebener Dreiervertretungen kaum überwunden sind. Aufgrund dessen scheint die Bevölkerung auch primär den Interessen ihrer jeweiligen Zugehörigkeit zu folgen, alsdann gemeinsamen Anstrengungen zum Wohle aller. Dies macht sich dann auch durch eine hohe Arbeitslosenquote, staatlicher Willkür, Korruption, mangelnder Wirtschaftsentwicklung und Abwanderung bemerkbar.


Die Schweizer Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere stellen in diesem Umfeld mit Kameraden aus anderen Ländern sicher, dass Konflikte früh erkannt werden und entsprechende Massnahmen ergriffen werden können.

 

 

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