Faszination Höhenbergsteigen

Oberst U. Schneider, Stellvertreter im Operationszentrum des Führungsstabes der Armee entführte uns an diesem Abend bis auf die Spitze des Cho Oyu, einem 8'201 Meter hohen Berg im Himalaya.

 

Die Vorbereitungen auf eine solche Tour sind erheblich. Nebst der nötigen Kondition, welche Oberst Schneider durch Bergtouren in der Schweiz, Inlineskaten, Langlauf, Laufen, Wandern, Velotouren usw. sich aneignet, legt er vor einer solchen Expedition insgesamt zirka 120’000 Höhenmeter zurück. Einmal wöchentlich eine Tour von mindestens fünf Stunden und alle 14 Tage mindestens eine von mindestens zehn Stunden. Parallel dazu kommen Training am Seil, Spaltenklettern, Navigation mit GPS und Training mit der Campingausrüstung. Für Oberst Schneider ist es auch immer wichtig, dass seine Familie ihn bei seinen Expeditionen unterstützt. Nebst genügend Zeit, man rechnet mindestens sechs bis sieben Wochen für eine Expedition auf einen Achttausender (Mt. Everest mindestens acht Wochen), benötigt dies auch finanzielle Mittel von ungefähr 15‘000 Schweizer Franken.

 

Die erste Expedition führte Oberst Schneider nach Südamerika auf den Aconcagua, mit 6'963 Meter der höchste Berg Amerikas. Die üblichen Beschwerden in grosser Höhe wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Kälte und Müdigkeit konnten ihm nicht viel anhaben. Nach dieser erfolgreich überstandenen Angewöhnungsexpedition, wurde er definitiv vom Virus Höhenbergsteigen infiziert und damit die nächste Expedition geplant. Nach einem langen Fussmarsch von 120 km durch ein wildes Tal von Nepal erreichte die Expedition nach mehreren Tagen das Basiscamp. Das benötigte Material für diese Expedition zum Manaslu (8'163m) wog zirka 1.8 Tonnen und wurde von 60 Sherpas über die ganze Strecke ins Basislager befördert. Im Basislager war anschliessend anklimatisieren und einrichten der Hochlager angesagt. Der erste Achttausender im Himalaya Gebirge konnte aber von keinem der Expeditionsteilnehmer bezwungen werden. Schwere Schneefälle und eine Lawine, die Oberst Schneider nur knapp überlebte, welche einen grossen Teil des Basislagers zerstörte sowie absinkender Jetstream vereitelten die Gipfelbezwingung. Die zweite Achttausender Expedition, dieses Mal im Tibet, wurde zum Erfolg. Wetterglück spielt bei solchen extremen Expeditionen eine entscheidende Rolle. Wie Oberst Schneider immer wieder betonte, war für ihn auch der Weg zum Berg sehr wichtig. Land und Leute auf der Anreise kennen zu lernen war im stets ein wichtiges Anliegen. Allein dadurch lohne sich eine Reise zu diesen hohen Bergen. In eindrücklichen Bildern dokumentiert, sahen wir die Besteigung des Gipfels und das unglaubliche Panorama vom „Dach der Welt“. Leider konnten sie die Aussicht nur kurze Zeit geniessen, da ein Teilnehmer aus seinem Team an einem akuten Augenödem litt. Nur dank der guten Teamarbeit und dem eisernen Willen ihren Kameraden retten zu wollen, stiegen sie zu dritt vom Gipfel direkt bis ins Basislager ab und konnten so ihren Kameraden vor bleibenden Schäden retten.

 

Transferiert auf den Alltag zieht Oberst Schneider folgende Lehren aus seinen Expeditionen. Jeder sollte für sich ein Ziel haben, das er erreichen will und für das es sich lohnt zu kämpfen. Wichtig ist aber auch, dass man seine eigenen Grenzen kennt, versucht diese zu verschieben und je nach Situation auch anzupassen, aber sie niemals überschreitet. Sich auf Leute verlassen zu können, Hilfe zu leisten, aber auch Hilfe in Anspruch zu nehmen ist in Extremsituationen genauso wichtig wie im täglichen Leben auch. Die Motivation die Komfortzone zu verlassen und sich den Herausforderungen zu stellen und nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen, vermitteln nach erreichtem Erfolg höchste Genugtuung und Genuss.

 

Wir danken Oberst U. Schneider für seinen spannenden und faszinierenden Vortrag, die eindrücklichen Bilder, die wohl keiner so schnell vergessen wird.

 

 

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